Auf Fahrt durch eines der am dünnsten besiedelten Gebiete Westeuropas – die Alentejo Region im Süden Portugals

Die Alentejo Region gehört zu den schönsten und besterhaltenen Küstenregionen Südeuropas. Der Fernwanderweg Rota Vicentina durchquert den Naturpark, der ca. 75.000 ha ganz unterschiedliche Lebensräume der dortigen Flora und Fauna umfasst.

Durch Zufall sind wir auf diese wunderschöne Gegend aufmerksam geworden und haben uns Anfang 2019 dazu entschieden dorthin eine Fahrt zu unternehmen. Da es im Sommer im Süden Portugals zu heiß ist, planten wir die Herbstferien zu nutzen.

Als Vorbereitung für diese Fahrt machten wir im Frühjahr einen Vortippel durch den Taunus. Dies erwies sich als durchaus sinnvoll.

Am 27. September machten sich dann acht Kelkheimer Gruppenleiter auf den Weg zum Frankfurter Flughafen. Spät abends landete das Flugzeug in Lissabon. Beim Abholen der zwei kleinen Mietwagen wurde uns empfohlen, dass wir unsere Wanderung direkt von Porto Covo starten sollten und nicht, wie ursprünglich geplant, von weiter Landeinwärts, da die Strecke dort landschaftlich interessanter sei.

In der Nacht fuhren wir noch einige Kilometer, bis wir einen Feldweg fanden, an dem wir unsere Schlafsäcke ausrollten. Die Nacht verlief fast ruhig, bis auf dass uns die GNR (Guarda Nacional Republicana) weckte. Die Polizisten standen in „voller Kampfausrüstung“ an unseren Schlafplatz und wir mussten erst erklären, dass wir „German Scouts“ sind, die nur schlafen wollten und wir nicht irgendwelches umherziehende Volk wären.

Am nächsten Morgen fuhren wir noch die letzten Kilometer nach Porto Covo, wo wir uns mit Proviant und Wasser eindeckten bevor es dann losging. Die Wanderung verlief immer an der Küste entlang, teils am Ufer, teils durch Dünen. Am Abend suchten wir einen Schlafplatz in der Nähe des Praia do Malhao. Da sich nachts sehr viel Tau bildet und wir am Morgen nicht mit einem nassen Schlafsack aufwachen wollten, mussten wir von unserem eigentlichem Plan, unter freiem Himmel zu schlafen, Abstand nehmen und bauten unsere Zelte auf.

Das nächste Tagesziel war Vila Nova de Milfontes. Nach einigen Kilometern zu Fuß, fuhren wir mit der Fähre über den Rio Mira und fanden auf der anderen Seite einen Schlafplatz. Da wir nur begrenzt Wasser hatten und dieses größtenteils als Trinkwasser nutzten, kochten wir den Reis für das Abendessen mit Meerwasser. Das hat leider nicht so gut geschmeckt….. Genauso wuschen wir uns im Atlantik, um uns nach der Wanderung frisch zu machen. Jeden Abend wurden die „Zeltbesatzungen“ für die drei Zelte neu ausgelost.

Am vierten Tag führte unsere Wanderung, jetzt an Steilklippen unterschiedlichster Formation weiter bis Praia de Almograve. In einer gemütlichen Taverne stärkten wir uns. Oberhalb einer Bootsanlegestelle der örtlichen Fischer fanden wir einen schönen Schlafplatz inmitten von Sanddünen. Den Abend verbrachten wir mit Sackhüpfen und Dünenrutschen.

Die längste Wanderstrecke hatten wir dann am folgenden Tag, die Wanderung bis nach Zambujeira do Mar. Unterwegs beobachteten wir Störche, verschiedene Seevögel und Eidechsen. Es gab immer wieder bezaubernde Landschaftsbilder zu betrachten. Der Weg, teilweise auf Klippen 100 Meter über dem Meer, war körperlich anspruchsvoll. Daher war es wichtig viel zu trinken. Zum Glück war ca. alle 10km einen Kiosk an dem es Wasser gab.

Nahe Zambujeira do Mar legten wir ein Rasttag ein. Diesen Tag entspannten wir, genossen die warmen Temperaturen, fanden eine natürliche Süßwasserdusche und badeten an einem schönen Sandstand.  

Um noch etwas vom Landesinneren der Alentejo Region mitzubekommen, fuhren wir mit dem Bus zurück nach Porto Cova zu unseren Autos, um dann die Gegend um St. Luis und Troviscais zu erkunden. Dort stießen wir auf landwirtschaftliche Kleinbetriebe und typische mediterrane Obstgärten mit Zitrusfrüchten, teilweise begrenzt von Lorbeerhecken. Die Gegend diente früher zur Versorgung der Küstendörfer, die sich auf Fischfang konzentrierten.

Auf unserer letzten Wanderung von Troviscais nach Mira sahen wir die unterschiedlichsten Lebensräume, wie Unterholz, Korkeichen, Eukalyptusbäume, Sträucher von Erdbeerbäumen, Sümpfe und Schilf. Dabei konnten mediterrane Pflanzen bestimmt und seltene Vögel, wie Eisvogel, beobachtet werden. Immer wieder begleiteten uns große Korkeichenbestände.

Die Fahrt endet mit einem Besuch in Lissabon. Die letzte Nacht verbrachte wir im „Headquarter“ der Lissaboner Pfadfinder (Escoteiros de Portugal - Grupo 7), inmitten der Millionen Stadt gelegen. Diese Pfadfindergruppe blickt auf eine über 100 jährige Tradition zurück. Man empfing uns ausgesprochen gastfreundlich. Wir durften an einem Gruppennachmittag teilnehmen und wurden als deutsche Gäste vorgestellt.

Am Samstagabend und Sonntag vor unserem Rückflug erkundeten wir Lissabon. Dazu gehörten die gelben Straßenbahnen, der Elevador de Santa Justa, der Terreiro do Paco, Castelo de S. Jorge und der abendliche Besuch in Restaurant. Das Essen dort war sehr lecker und wurde begleitet von Fado, einer typisch portugiesische Musik ist, die meist sehr traurig klingt.

Am Sonntag sind wir erschöpft aber glücklich und voller neuer Erlebnisse wieder in Frankfurt gelandet.

 

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